Am 13. Juli 2026 hat die EU-Behörde AMLA (Anti-Money Laundering Authority) eine öffentliche Konsultation zu einem Entwurf technischer Regulierungsstandards (RTS) eröffnet. Der Entwurf legt fest, wie nationale Aufsichtsbehörden Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierungsrisiken für nichtfinanzielle verpflichtete Unternehmen bewerten sollen, zu denen auch europäische Glücksspiel-Lizenznehmer zählen. Die Konsultation läuft bis 27. September 2026. Die Malta Gaming Authority (MGA) und Schwedens Spelinspektionen forderten Lizenznehmer öffentlich zur Teilnahme auf. Es ist der erste koordinierte EU-Schritt hin zu einer gemeinsamen AML-Methodik für den Online-Glücksspielsektor.
Vor dem Arbeitsbeginn der AMLA im Jahr 2026 auf Grundlage der Verordnung (EU) 2024/1620 wandte jeder nationale Regulator eine eigene Risikobewertungs-Methodik an — die MGA in Malta, die Kansspelautoriteit (KSA) in den Niederlanden, die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) in Deutschland, die Agenzia delle Dogane e dei Monopoli (ADM) in Italien, die Autorité nationale des jeux (ANJ) in Frankreich sowie Spelinspektionen in Schweden. Diese Fragmentierung eröffnete Raum für regulatorische Arbitrage: derselbe Anbieter durchlief je nach Lizenz unterschiedliche KYC-Prüfungen. Die AMLA-Konsultation zum RTS soll diese Differenz beseitigen.
Nach unserer Einschätzung ist die AMLA-Konsultation kein kosmetischer Schritt, sondern der eigentliche Beginn eines Prozesses, mit dem AML-Standards für Glücksspielanbieter von der nationalen auf die europäische Ebene verlagert werden. Der RTS wird nach Verabschiedung zur verbindlichen Methodik der nationalen Aufsicht; die MGA und Spelinspektionen, die den Prozess bereits offiziell unterstützen, müssen künftig denselben Risiko-Kalibrator anwenden. Für Anbieter mit Lizenzen in mehreren Ländern verschwindet damit die Divergenz bei den Verifizierungskriterien. Für Spielerinnen und Spieler wird der KYC-Ablauf in unterschiedlichen EU-lizenzierten Casinos zunehmend gleichartig.
Die Richtung ist in einzelnen nationalen Schritten bereits erkennbar. Die UKGC führte 2026 finanzielle Risikoprüfungen mit einer Nettoverlust-Schwelle von 5.000 £ pro Jahr ein, die niederländische KSA schrieb ihren Means-Test für Einzahlungen über 700 € mit strukturellem Einkommensnachweis neu, und die irische GRAI erteilte am 1. Juli 2026 die ersten B2C-Lizenzen mit obligatorischer Altersprüfung und Konto-Schließungspflicht. Alle drei Ansätze beruhen auf demselben Grundgedanken: Der Anbieter muss wissen, woher das Geld der Spielerin oder des Spielers stammt, und dies der Aufsicht plausibel erläutern können. Die AMLA-Konsultation verankert diesen Vektor auf EU-Ebene.
Aus unserer Sicht spüren jene Spielerinnen und Spieler den größten Effekt, die gleichzeitig Konten bei mehreren EU-lizenzierten Anbietern führen. Wird der RTS verbindlich, gleichen sich Herkunfts-Nachweise bei maltesischen, schwedischen und italienischen Anbietern so weit an, dass eingereichte Dokumente nahezu deckungsgleich verwendet werden können. Das senkt die Reibung bei der Neuregistrierung, hebt aber gleichzeitig das Niveau — kein Anbieter kann sich mehr hinter einer formalen KYC-Prüfung verstecken. In der Praxis heißt das: Wer einmal die KYC-Prüfung in einem Casino durchlaufen hat, erlebt die Prüflogik bei einem anderen EU-Lizenznehmer als wiedererkennbar, nicht als willkürlich.
Für Deutschland kommt hinzu, dass der GGL-Rahmen ohnehin zu den strengeren in Europa gehört: der föderale Einzahlungs-Deckel von 1.000 € pro Monat, das 5-Sekunden-Spinlimit an Slots und das Autoplay-Verbot bleiben bestehen. Die AMLA-Vorlage wirkt darauf nicht direkt, sie zwingt die GGL aber, ihre Risikobewertungs-Praxis stärker mit der MGA oder Spelinspektionen abzustimmen. Wir gehen davon aus, dass deutsche Spielerinnen und Spieler mittelfristig noch einheitlichere Nachweise für Einzahlungsquellen sehen werden, insbesondere bei grenzüberschreitend agierenden Konzernen. Wer verantwortungsvoll spielt und eigene Limits setzt, profitiert von der Konvergenz zusätzlich.
Was schlägt die AMLA in der Konsultation vom 13. Juli konkret vor?
Am 13. Juli 2026 startete die AMLA eine öffentliche Konsultation zu einem Entwurf technischer Regulierungsstandards, der die Methodik für die Bewertung von Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierungsrisiken bei nichtfinanziellen verpflichteten Unternehmen festlegt. Zu diesen Unternehmen zählen Glücksspielanbieter mit EU-Lizenz. Die Konsultation läuft bis 27. September 2026; anschließend wird die AMLA den finalen RTS-Text an die Europäische Kommission übermitteln.
Wie wirkt sich die Konsultation auf KYC für Spieler aus?
Während der Konsultationsphase ändert sich die KYC-Praxis in Online-Casinos nicht unmittelbar — Identitäts- und Herkunfts-Nachweise laufen so ab wie vor dem 13. Juli. Nach Verabschiedung des RTS wenden nationale Regulatoren jedoch denselben Risiko-Kalibrator an, und die Prüfpraxis für Einzahlungsquellen bei maltesischen, schwedischen oder deutschen Anbietern gleicht sich an. Langfristig bedeutet das weniger Überraschungen für Spielende, die Konten zwischen EU-lizenzierten Anbietern wechseln.
Welche Regulatoren unterstützen den Prozess offiziell?
Die Malta Gaming Authority veröffentlichte eine Stakeholder-Mitteilung, die ihre Lizenznehmer über die AMLA-Konsultationen zu Entwürfen technischer Regulierungsstandards und Leitlinien zu AML/CFT informiert und zur Beteiligung aufruft. Spelinspektionen in Schweden richtete einen eigenen Aufruf an die nationalen Lizenznehmer, sich an der öffentlichen Konsultation zu beteiligen. Beide Behörden sehen den Prozess als entscheidenden Schritt hin zu einer gemeinsamen europäischen Aufsichtsmethodik.
Wann erreichen die Änderungen die EU-Casinos wirklich?
Direkte Änderungen auf Anbieterebene erfolgen nicht sofort nach dem 27. September. Die AMLA muss die Rückmeldungen auswerten, die finale RTS-Fassung beschließen und den Übergang mit den nationalen Regulatoren koordinieren. Erfahrungsgemäß bekommen Anbieter nach Verabschiedung eines RTS zwischen 6 und 18 Monaten für die technische Umsetzung. Für Spielerinnen und Spieler sind die deutlichsten Änderungen daher nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2027 zu erwarten.
Was sollten Spielende jetzt konkret tun? Erstens: Halten Sie aktuelle KYC-Dokumente bereit — einen gültigen Ausweis und einen frischen Adressnachweis, falls Ihr Anbieter im Übergang eine erneute Verifizierung anfordert. Zweitens: Bewahren Sie Belege für die Herkunft größerer Einzahlungen auf (Gehaltsabrechnungen, Verkäufe von Vermögenswerten, Banküberweisungen), denn diese Belege werden im AMLA-Risikomodell zentral. Drittens: Verfolgen Sie die Veröffentlichungen Ihres Regulators — MGA, KSA, GGL, ADM und Spelinspektionen setzen europäische Vorgaben erfahrungsgemäß zügig in eigene Anbieter-Leitlinien um.
Stand 15. Juli 2026 ist die AMLA-Konsultation das wichtigste europäische AML-Ereignis dieses Jahres im Glücksspielsektor, und ihr Ergebnis prägt, wie einheitlich KYC bis 2028 in jedem EU-lizenzierten Casino aussehen wird. Glücksspiel ist ein Angebot für Erwachsene (18+) und kein Weg, Geld zu verdienen; wenn Ihr Spielbudget außer Kontrolle gerät, nutzen Sie Einzahlungslimits, Time-outs oder die Selbstsperre im Anbieterkonto oder wenden Sie sich an die BZgA-Hotline 0800 137 27 00.

