Italiens Medienregulator AGCOM veröffentlichte am 11. August 2026 neue Leitlinien zur verantwortungsvollen Glücksspielwerbung unter dem Dignitätsdekret; verabschiedet wurden sie am 29. Juli 2026 mit Beschluss 85/26/CONS. Alle 46 ADM-lizenzierten Online-Casino- und Wettbetreiber in Italien dürfen keine prominenten Markenbotschafter in RG-Kampagnen mehr einsetzen und müssen die verantwortungsvolle Botschaft klar vom Markenmarketing trennen. Die verpflichtenden RG-Kommunikationsausgaben bleiben bei 0,2% des Nettoumsatzes mit einer Jahresobergrenze von 1 Mio. € pro Betreiber.
Vor diesen Leitlinien galten für die verantwortungsvolle Werbung in Italien die allgemeinen Grundsätze des Dignitätsdekrets von 2018, das direkte kommerzielle Glücksspielwerbung verbietet. Die Betreiber erfüllten die RG-Kommunikationspflicht, doch die Grenze zwischen aufklärender Botschaft und getarnter Markenwerbung blieb unscharf. AGCOM führte im ersten Quartal 2026 eine öffentliche Konsultation durch, stimmte den Endtext mit den Betreibern ab und finalisierte die Leitlinien am 29. Juli 2026.
Wir halten diesen Schritt der AGCOM für ein wichtiges Signal an die übrige EU. Die italienischen Regeln rund um das öffentliche Beschwerdeportal der ADM gehören ohnehin zu den strengsten in der Region, und nun kommt der Sauberkeitsstandard der RG-Botschaften selbst hinzu. Das schließt die verbreitete Praxis, bei der ein RG-Spot mit einem Prominenten faktisch als Markenwerbung diente und das Dignitätsdekret umging.
Unserer Ansicht nach zeigt sich die Wirkung auf Spielerinnen und Spieler an drei Punkten. Erstens: Sinkende Markenerkennung über RG-Kanäle bedeutet, dass neue Spielende eine konkrete Marke seltener über 'graue' Inhalte kennenlernen. Zweitens: Tipster-Accounts auf TikTok und Telegram, die 'sichere' Slotstrategien anpreisen, bleiben außerhalb der eigentlichen RG-Leitlinie — AGCOM erkennt das Problem aber ausdrücklich an und verweist es an die Plattformen.
Drittens: Die 0,2%-Ausgabepflicht mit der Jahresobergrenze von 1 Mio. € bleibt, doch der RG-Etat muss nun sichtbar vom Marketingbudget getrennt werden. Das erschwert Umwege um Werbebeschränkungen über 'Zwei-Zweck'-Kampagnen, wie wir es im Kontext von Melonis Verzicht auf das Retail-Dekret beschrieben haben. Für disziplinierte Spielende, die ihr Budget und ihre Limits selbst steuern, ändert sich nichts — für neue, gefährdete Spielende sinkt der Druck aus grauem Marketing.
Was ändern die neuen AGCOM-Regeln?
Beschluss 85/26/CONS verbietet ausdrücklich, in RG-Kampagnen Prominente, Sportlerinnen und Sportler oder öffentliche Personen einzubinden, die schon mit derselben kommerziellen Marke des Betreibers verbunden sind. Betreiberlogos dürfen erscheinen, doch die Botschaft zum verantwortungsvollen Spiel muss dominieren; kommerzielle Slogans und Werbeaussagen sind in RG-Creatives verboten. Tipster-Fragen in sozialen Netzwerken werden auf Plattformebene adressiert, nicht in der RG-Leitlinie selbst.
Wann treten die Leitlinien in Kraft?
Der AGCOM-Beschluss 85/26/CONS trat mit dem Datum der Veröffentlichung am 11. August 2026 in Kraft, mit einer Übergangsfrist für laufende Kampagnen. Betreiber müssen alle neuen RG-Creatives sofort an die AGCOM-Kriterien anpassen; laufende Kampagnen müssen bis zum 31. Oktober 2026 in Einklang gebracht werden. Sanktionen bei Verstößen verhängt AGCOM in Abstimmung mit der ADM.
Wen betrifft das außerhalb Italiens?
Die Entscheidung wirkt direkt nur auf die 46 ADM-lizenzierten Betreiber, die in Italien tätig sind. Der Präzedenzfall ist jedoch wichtig: Andere europäische Regulierer — von Deutschland bis Schweden — überprüfen den Rahmen für RG-Kommunikation bereits. Für Spielende in anderen Jurisdiktionen ist die nächste praktische Wirkung erst spürbar, wenn ein Betreiber internationale Kampagnen mit italienischen Gesichtern fährt.
Betrifft das Boni, Einzahlungen oder Auszahlungen?
Nein. Der AGCOM-Beschluss betrifft ausschließlich den Inhalt der RG-Werbung sowie den Einsatz von Prominenten und Testimonials. Er ändert weder Bonusbedingungen noch Wagering, Einzahlungslimits oder Auszahlungsfristen. Für Spielende, die bereits bei einem ADM-lizenzierten Casino registriert sind, gelten alle aktiven Boni und Sitzungslimits nach dem Stand vom 14. August 2026 unverändert weiter.
Was Spielende tun sollten: Sehen Sie nach dem 11. August einen RG-Spot mit einem vertrauten Prominenten, handelt es sich am wahrscheinlichsten um eine Übergangskampagne, die der Betreiber bis zum 31. Oktober aktualisieren muss. Werten Sie einen solchen Spot nicht als 'Sicherheitszertifikat' der Marke. Prüfen Sie den ADM-Lizenzstatus des Betreibers im öffentlichen Register vor der Registrierung, nicht über ein RG-Creative. Setzen Sie persönliche Einzahlungslimits und Selbstausschluss in Ihrem Konto — nicht auf Empfehlung von Tipstern.
Nach dem Stand vom 14. August 2026 bewerten wir das neue AGCOM-Paket als Maßstab für andere EU-Regulierer: Es zielt auf Marketingethik, ohne dem legalen Markt einen direkten Schlag zu versetzen. Spielende 18+ sollten einen Betreiber anhand seines Lizenzregisters und ihrer eigenen Erfahrung beurteilen, nicht anhand des Gesichts in einem RG-Spot. Bei Anzeichen einer Suchtgefährdung nutzen Sie RUA in Italien, OASIS in Deutschland, GAMSTOP im Vereinigten Königreich, Cruks in den Niederlanden, Spelpaus in Schweden, die SPA-Selbstausschlussliste in Brasilien oder die CVV-188-Hotline in Brasilien.

